Aktuelles

(Neuwieder Stadtzeitung Nr. 02/2004)
 

Franz Saxler feiert 80. Geburtstag

Unermüdliches Engagement für Blinde

Neuwied

Geboren 1924 in Auderat in der Eifel wurden Franz Saxler und seine sechs Geschwister schon früh an Sparsamkeit gewöhnt. Die Eltern betrieben eine kleine Landwirtschaft, hatten jedoch alle Not die Kinder ernährt zu bekommen. Saxler war dann der einzige aus dem Dorf, dem es gegönnt war, eine höhere Schule zu besuchen. Anfangs eine Klosterschule, als diese aber von den Nazis geschlossen wurde musste er auf eine stattliche Bildungsanstalt ausweichen. Erst nach dem Krieg, zu dem Franz Saxler eingezogen wurde, konnte er sein Abitur machen. In einem Sonderlehrgang für Kriegsversehrte. Im Anschluss daran begann er eine pädagogische Ausbildung. Seine erste Lehrerstelle trat er im beschaulichen Roes an. Seine heutige Frau, die an einer Nachbarschule im selben Ort ebenfalls lehrend tätig war lernte er 1952 kennen und heiratete sie 1954. Als er dann die Chance bekam, für ein Jahr in die USA zu gehen, um dort den "American Way of Life" kennen zu lernen, und dessen System der Demokratie später in Deutschland als Lehrer umzusetzen brauchte er nicht lange zu überlegen sondern ergriff sie.
Den USA Aufenthalt beschreibt Saxler heute noch als sehr angenehm. Mit einem Studenten von damals hat er auch noch Kontakt - per E-Mail! Angst vor modernen Medien besteht bei ihm also absolut nicht. Vom "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" bekam er viel zu sehen und lernte die Sprache sprechen. Heute beherrscht Franz Saxler insgesamt vier Fremdsprachen: Latein, das er von der Sexta an gelernt hatte, Englisch, Französisch und schließlich Spanisch, welches er, mit fast 70 Jahren, auto-didaktisch erlernte.
Zurück aus den USA studierte er an der Akademie in Bad Neuenahr. Bei einer Exkursion zur damals noch in Neuwied ansässigen Blindenschule war er so fasziniert von der Arbeit und Unterrichtsart dort, dass er beschloss, wenn sich nach beendeter Ausbildung eine Möglichkeit bieten sollte, an dieser Form von Schule als Lehrer tätig zu werden. Doch erst unterrichtete Saxler fünf Jahre an einer Volksschule in der Eifel, bis ihn die glückliche Fügung mittels eines Inserats an die Blindenschule in Neuwied brachte. Um den Ansprüchen des dortigen Lehrpostens gerecht zu werden studierte er in Hamburg Blindenpädagogik nach, was wie er heute sagte "eine harte Zeit war für die Familie". In der Arbeit an der Blindenschule sah Saxler wahrlich seine Berufung. Ganze 35 Jahre war er dort als Lehrer tätig, 18 davon als Direktor.
Unter seiner Verantwortung wurde eine neue Blindenschule gebaut, da aufgrund steigender Schülerzahlen, die auch aus der Zunahme an sonstigen Sehbehinderten resultierten, größere Räume her mussten, das Gebäude in Neuwied nicht mehr ausreichend war. So steht die Landesschule Rheinland-Pfalz für Blinde und Sehbehinderte heute in Feldkirchen. In selber Ortschaft wohnen aus seit 1961 Franz Saxler und seine Frau und zogen dort vier Kinder groß.

Als er 1985 pensioniert wurde ging sein Engagement für blinde und sehbehinderte Menschen weiter. Im Förderverein zur Betreuung blinder und sehbehinderter Kinder war er 18 Jahre lang 1. Vorsitzender und ist seit drei Jahren Ehrenvorsitzender. Der Verein beteiligte sich an der Gründung der "Förder- und Wohnstätte für Schwerbehinderte GmbH", unterstützt die Blindenschule in Feldkirchen und hilft vor allem auch den Blinden und Sehbehinderten in Peru. Denn als Ende der Monika Saxler, die Tochter von Franz Saxler, aufgrund eines Vortrags dorthin fliegen musste, bat er sie, sich zu informieren wie die Gegebenheiten dort für Blinde sind. Als er dann von äußerst katastrophalen Zustanden erfuhr, entschied Saxler sich selbst ein Bild zu machen und bestieg 1988 den Flieger nach Peru, genauer gesagt nach Cusco. Dort traf er auf absolut menschenunwürdige Verhältnisse, so dass er sich ohne zu zögern sagte: "Hier musst du selber eingreifen."
Darum ging Franz Saxler zusammen mit Petra Heinz, Karl-Ludwig Küster und Dechant Stephan Aust und allen anderen vom Förderverein auf siebenjährige Spendenjagd. Stets unermüdlich und voll "Urvertrauen" in den Erfolg des Unternehmens konnten sie schließlich ein Grundstück in Cusco erwerben und eine Blindenschule aufbauen, die 1995 feierlich eingeweiht wurde. Heute kann der Verein außerdem auf den Bau einer Augenklinik und einer Werkstatt für erwachsene Blinde auf eben jenem Grundstück zurückblicken und arbeitet daran auch in anderen Orten Perus, Schulen und Werkstätten zu errichten. Als Arbeitsplätze für Blinde konnte man zudem viele Kioske erbauen.
Neunmal betrat Franz Saxler bisher peruanischen Boden, ein zehntes Mal ist in Planung, wenn die Gesundheit mitspielt. Solange er lebt möchte er, der an diesem Tag 80 Jahre alt wird, "all seine Kraft einsetzen können für Peru". Dieses Herzens-Engagement würdigten nicht nur die Einwohner Cuscos, die ihn zum Ehrenbürger machten - in Deutschland wurden ihm für seine geleistete aufopfernde Arbeit die Goldene Nadel der Caritas und das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht. Und sein Einsatz geht weiter, denn die Unterhaltung einer Blindenschule ist sehr kostspielig. Zu seinem Geburtstag wünscht sich Saxler daher keine Geschenke, sondern Spenden für Peru.
Bemerkens- und bewundernswert ist abschließend die Tatsache, dass sowohl beide Töchter als auch ein Enkelkind an Blindenschulen unterrichten.

BSCH

 


 

Wir trauern um Fred Körper

Die Landesschule für Blinde und Sehbehinderte, Neuwied, trauert um ihren Sonderschulrektor, Fred Körper, der am 6. Januar 2004 plötzlich und unerwartet im Alter von nur 56 Jahren verstorben ist.

Im Folgenden geben wir Auszüge aus der Traueransprache wieder, die am 15. Januar 2004 während einer bewegenden schulinternen Gedenkfeier für den Verstorbenen gemeinsam von Karl Ludwig Küster (Stellvertretender Schulleiter) und Petra Heinz (Internatsleiterin) gehalten wurde.

„Liebe Anwesende

Noch können wir es alle gar nicht fassen und begreifen, dass Fred Körper gestorben ist. Still war es in unserer Einrichtung, als wir von seinem Tod hörten. Die Nachricht war für uns alle ein Schock. Fassungslosigkeit, Bestürzung, Entsetzen, Hilflosigkeit, Trauer – diese Begriffe können nur annähernd beschreiben, wie uns allen zumute war.

Er soll einfach nicht mehr da sein?

Wir trauern über den Tod von Fred Körper und nehmen dabei zutiefst Anteil an dem schmerzlichen Verlust, der vor allem die Familie betroffen hat.

Was Fred Körper für ein Mensch war, weiß jeder von uns nur zu einem  Teil.  Wir kannten ihn als Kollegen und Chef, der vor 10 Jahren und 2 Monaten genau an dieser Stelle stand und mit Freude und unbändigem Tatendrang in die Zukunft blickte.

Fred Körper wurde am 25.1.1947 in Mehlbach im Kreis Kaiserslautern geboren. Nach Gymnasium und Wehrdienst studierte er für das Lehramt an Volksschulen und trat seine erste Stelle in der Sonderschule für Lernbehinderte in Bendorf-Mülhofen an. Nach dem Zusatzstudium der Sonderpädagogik wurde er an die Schule für Lernbehinderte in Rheinbrohl versetzt, wo er schnell entsprechend seinem zielstrebigen Naturell zum Konrektor und 1982 zum Rektor ernannt wurde. Schon in dieser Zeit fiel Fred Körper bei vielen Veranstaltungen als stets kritischer und engagierter Diskussionsteilnehmer auf, der seinen Standpunkt mit äußerster Energie vertreten konnte.

Am 3.11.1993 durften wir Fred Körper als neuen Leiter unserer Einrichtung begrüßen. Mit fast 50 Jahren schrieb er sich an der Uni Heidelberg als Student ein und legte das Examen der Blindenpädagogik mit Auszeichnung ab.

In unserer Einrichtung steckte er wesentliche Ziele, deren Umsetzung er mit grenzenlosem Einsatz vorangetrieben hat.

Fred Körper hat vieles in unserem Hause bewegen können, auch wenn einige seiner hohen Zielsetzungen im Laufe der Zeit der Realität Tribut zollen mussten.

Bleibende Spuren hat er hinterlassen, von denen wir einige beispielhaft aufführen möchten:

Hervorzuheben ist sein Einsatz für den erfolgreichen Ausbau der Frühförderung blinder und sehbehinderter Kinder. Es gelang ihm, für die Abteilung eine Leitungsstelle zu etablieren und die Anzahl der Mitarbeiter auf sieben zu erhöhen. Der Schriftverkehr hierzu füllt einige Aktenordner.

Durch seine entschlossene Vorgehensweise wurde die integrative Förderung blinder und sehbehinderter Kinder an Regelschulen und anderen Sonderschulen wesentlich weiter entwickelt. Mittlerweile umfasst die Abteilung neun Stellen.

Ziel seines Engagements war immer die bestmögliche Förderung aller blinden und sehbehinderten Kinder. So konnte er verhindern, dass die Reduzierung der Schülerwochenstunden bei der Neuordnung des Schulstellenbedarfsmodells bei Weitem nicht so drastisch ausfiel, wie ursprünglich vorgesehen. Dadurch konnte die Qualität der Förderung erhalten werden.

Viele Schuljahre gelang es ihm durch Verhandlungen und Interventionen den Stundenausfall in unserer Schule weit unter den Durchschnitt anderer Sonderschulen zu drücken.

Viele Jahre (schon zu Herrn Rektor Saxlers Zeiten) hatten wir vergebens darum gekämpft, den Bereich der begleitenden Dienste zu erweitern. Mit Fred Körper ist es uns gelungen, trotz schwierigster Haushaltslage des Landes einen Rehabilitationslehrer, eine Psychologin und eine Orthoptistin im Internat einstellen zu können. Hier hat er eine große fachliche Bereicherung der Einrichtung erreicht.

Besonders schwer gestaltete sich der Kampf mit der vorgesetzten Dienstbehörde um den Erhalt der Küche. Viele – auch teilweise unerfreuliche – Gespräche führten letztendlich zum gewünschten Erfolg.

Eines war ihm vom Beginn seiner Tätigkeit an besonders wichtig: Die gleichberechtigte Würdigung der Arbeit aller Abteilungen in unserem Hause.

Das Engagement für das Erreichen dieser und vieler weiterer Ziele kostete ihn viel Kraft und Energie. Sein unermüdlicher Einsatz, der oft für viele Mitarbeiter nicht sichtbar wurde, ist von uns nicht hoch genug zu bewerten und aus diesem Grunde haben wir ihm Anerkennung zu zollen und Dank zu sagen.

Wir haben von ihm nie gehört, das geht nicht, das ist unmöglich, das kann ich nicht. Unsere Meinung: „Das schaffst Du nie!“ war für ihn höchster Ansporn und manche Flasche Sekt hat er bei einer diesbezüglichen Wette gewonnen, manchmal auch verloren.

Fred Körper war ein streitbarer Mensch. Er scheute keine Konflikte und Streitigkeiten, wenn es darum ging, seine Vorstellungen umzusetzen.

Erich Kästner, Fred Körpers Lieblingsschriftsteller, sagt: ‚Auch aus Steinen, die Dir in den Weg gelegt werden, kannst Du etwas Schönes bauen.‘  So handelte Fred, so haben wir ihn gekannt.

Mehrere Tadel handelte er sich von den dienstvorgesetzten Behörden wegen seiner oft unkonventionellen Vorgehensweise ein. In seinen Bemühungen wurde er außen aber auch hier im Hause manchmal nicht richtig verstanden. Es ist oft leichter den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, keine Reibungsflächen zu bieten, Kritik nicht zu äußern oder sich hinter höflichen Floskeln zu verstecken. Das war nicht Freds Sache. Er musste manches Mal harte Entscheidungen treffen, aber alle seine Entscheidungen waren von dem Gedanken  getragen: Das Wohl und die Förderung der Kinder sowie die Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen haben Vorrang. Er stellte hohe Anforderungen und demjenigen, der seinen Anforderungen nicht genügte, konnte er es klar und deutlich sagen. Die höchsten Anforderungen aber stellte er an sich selbst.

Ein großes Anliegen war Fred Körper die Reputation der Einrichtung in der Öffentlichkeit. Hervorzuheben ist sein unermüdliches Engagement bei der Planung und Durchführung der 100-Jahr-Feier unserer Einrichtung. Er ruhte nicht eher bis der Ministerpräsident selbst die Schirmherrschaft übernahm. Er versäumte nie eine Gelegenheit, die Schule mit ihren Anliegen in Mainz in Erinnerung zu rufen.

Der persönliche Höhepunkt des Jahres 2003 war im November die Geburt seines Enkels Ben. Er war ein stolzer und glücklicher Opa. Er freute sich königlich, wenn wir ihn mit Opa ansprachen. Jedem im Hause, zeigte er mit Stolz das Bild seines Enkels Ben. Er war überzeugt davon, dass Ben ganz der Opa sei.

Fred Körper war ein absolut lebenslustiger Mensch. Er liebte das Leben. Er lachte gerne. Wir werden sein schallendes Lachen im Flur vermissen, wenn er einen neuen Witz hörte. Am meisten konnte er über Witze lachen, die er selbst erzählte. Aber auch über sich selbst konnte er oft herzhaft lachen.

Mit Begeisterung war er bei der Sache, für den Förderverein Kulturveranstaltungen zu organisieren und Spenden zu sammeln. Wer kennt ihn nicht, Freds Begleiter und fleißigen Spendensammler bei den Veranstaltungen „Fred Ferkel, das rote Schwein!“

Von Beginn seiner Tätigkeit an hat er sich für die Ziele des Fördervereins eingesetzt. In einer kritischen Phase bei der Finanzierung des Projektes Förder- und Wohnstätte in Kettig für unsere schwerstmehrfachbehinderten ehemaligen Schüler setzte er sich mit viel persönlichem Einsatz für den Fortgang des Projektes ein. Wir beide danken ihm persönlich sehr für seine Hilfen und seine aufmunternden Hinweise, wenn wir nicht mehr weiter wussten. Von großer Bedeutung war es ihm, unseren schwerstbehinderten Schülern mit dem Bau der Förder- und Wohnstätte in Kettig eine Zukunftsperspektive zu schaffen.

Liebe Schülerinnen und Schüler,

ihr habt auch den Lehrer Fred Körper verloren. Viele von Euch hatten im Laufe der letzten Jahre bei ihm Unterricht in den verschiedensten Fächern. Er war gerne Euer Lehrer. Entsprechend seiner fröhlichen Art  gab es keine Unterrichtsstunde, in der nicht gelacht wurde. Er war gerne mit Euch zusammen, besonders bei den Festen hier in der Aula, den Weihnachtsfeiern in den Internatsgruppen, den schönen Karnevalssitzungen, in denen ihr Euch manchmal lustige Wetten mit ihm ausgedacht habt. Stolz war er auf Euch, wenn Euch wieder eine tolle Feier mit  schönen Beiträgen gelungen war.

Aber es gab auch den stillen, nachdenklichen Fred Körper. Oft war er von der persönlichen Situation eines neu aufzunehmenden Kindes und der Familie sehr betroffen. Aus dieser Betroffenheit heraus schöpfte er neue Energie und Tatkraft. 

Sein Leitgedanke im Umgang mit unseren Schülern war: Jeder ist wertvoll durch das, was er ist, und nicht durch das, was er kann.

Im Arbeitsleben, so sagt man häufig, sei jeder ersetzbar. Das mag stimmen oder nicht. Fred Körper ist in seiner Art, in seiner Einzigartigkeit für uns nicht ersetzbar. Seine Aufgaben müssen übernommen werden, seine Funktion ist austauschbar. Der Mensch, Fred Körper, nicht. 

Liebe Trauergäste,

so war er und so bleibt er uns in Erinnerung. Seine Ideen, sein Werk geben uns Kraft und werden uns Leitbild sein. Wir werden seinen Geist in dieser Einrichtung würdig erhalten.

Wir werden uns stets in Dankbarkeit und Freundschaft an Fred Körper erinnern. Wir sagen ihm Dank für seinen unermüdlichen Einsatz. Der Familie vor allem, aber auch uns fehlt er von nun an.

Wir erlauben uns zu sagen: Wir beide haben nicht nur einen Chef, sondern einen Freund verloren.“

          Petra Heinz                               Karl Ludwig Küster

 

 

 

(19. August 2003)
 

Zum 75. Geburtstag an andere gedacht

Roßbacherin verzichtete auf Geschenke und sammelte stattdessen Geld für Blindenschule in Peru

Rossbach

Das Beispiel Margarete Plag könnte Schule machen. Die Roßbacherin nahm ihren 75. Geburtstag zum Anlass, um Spenden für einen guten Zweck entgegenzunehmen. Dafür verzichtete sie auf sonst übliche kleine Geschenke aus ihrem Familien- und Freundeskreis. Das Geld kommt nun blinden Kindern im Hochland von Peru zugute.
"Vielen, vielen Dank", lächelt Franz Saxler, Ehrenvorsitzender des Vereins zur Betreuung blinder Kinder Neuwied e. V., und schüttelt Margarete Plag die Hand. Die 75-Jährige aus Roßbach hat ihm soeben mit 1200 Euro ein hübsches Sümmchen für die Blindenschule im peruanischen Cusco überreicht. "Einfach toll. Hierzulande kann man es sich ja kaum vorstellen. Aber mit diesem Geld können wir in der von unserem Verein betreuten Schule drüben in Peru rechnerisch zweieinhalb Kinder ein Jahr lang im Internat unterbringen, verpflegen und kleiden", freut sich Saxler.
Margarete Plag, die Saxler eine "treue Helferin des Vereins" nennt, hat dieses Geld im Familien- und Freundeskreis gesammelt - anlässlich ihres 75. Geburtstags. 1160 Euro kamen so zusammen. Mit 40 Euro aus ihrer eigenen Tasche rundete sie die Summe auf. "Diese Aktion habe ich nun schon zum dritten Mal gestartet. Erstmals zu meinem 65. Alle fünf Jahre dreht sich an diesem Tag alles um die gute Sache und nicht nur um mich. "Meine Lieben zu Hause wissen langsam Bescheid und ziehen mit", sagt die Rentnerin.
Ihre Motivation, den blinden Kindern in Cusco zu helfen, kommt nicht von ungefähr. Ihr verstorbener Mann war blind. Die Kontakte zum Blindenverein und auch zum Neuwieder Verein lagen somit in der Natur der Sache. "Für mich war es keine Frage, ob ich mich weiterhin für blinde Menschen engagiere", so Margarete Plag.
Erst recht nicht, als der Verein zur Betreuung blinder Kinder 1995 den Bau der Schule in Cusco perfekt gemacht hatte. Die Roßbacherin gehörte ebenso wie Franz Saxler mit zur Reisegesellschaft, die sich eigens zur Einweihung ins Hochland von Peru aufmachte. "Es tat meiner Seele gut, zu sehen, dass die blinden Kinder dort endlich in einer hellen, freundlichen Schule eine Ausbildung und in gewisser Weise ein Zuhause bekamen", erinnert sich Margarete Plag. Und: Mit der Hilfe aus Deutschland ist die Schülerzahl dort mittlerweile auf etwa 100 angewachsen.
Nach wie vor kann der Neuwieder Verein aber auf keinerlei finanzielle Unterstützung durch die peruanische Regierung hoffen. "Ein soziales Netz wie wir es kennen, gibt`s dort nicht. Wir sind auf die Spenden der Leute und solche Beispiel gebenden Aktionen wie die von Frau Plag angewiesen", sagt Franz Saxler.

Ralf Grün

Wer sich für blinde Kinder in Cusco einsetzen möchte, kann sich unter Telefon 02631/970-130 an Petra Heinz, Vorsitzende des Vereins zur Betreuung blinder Kinder Neuwied e. V., in der Blindenschule Neuwied (Feldkirchen), Feldkircher Straße 100, wenden.

 
 

 

 

(21. Dezember 2002)

 

Mit Hilfe von Spenden aus Neuwied und Umgebung konnten Computerplätze für Blinde eingerichtet werden (links). Rechts ein blinder Junge.

 

Wirksame Hilfe für blinde Kinder aus Peru

Neuwieder Verein unterstützt Projekte - Reisegruppe überzeugte sich vor Ort von der Wirksamkeit

Neuwied

ES ist eines der schönsten Reiseländer der Welt. Und doch gibt es Schattenseiten in Peru. Vor allem blinde und sehbehinderte Kinder haben es in dem südamerikanischen Land nicht einfach; häufig werden sie als Menschen nicht akzeptiert. In vielen kleinen Schritten bemüht sich ein Verein aus Neuwied, an dieser Situation etwas zu ändern: der Verein zur Betreuung blinder und sehbehinderter Kinder. Jetzt reist eine Gruppe von acht Perufreunden in das Land, um sich vor Ort davon zu überzeugen, dass die Spenden aus Deutschland auch vernünftig verwendet wurden.
Mal fühlten sich die Neuwieder wie in der Steinzeit, mal erlebten sie das Internet-Zeitalter - so stark waren die Gegensätze. Eines war hingegen an allen Orten gleich: "Wir wurden immer fröhlich und gastfreundlich begrüßt", berichtet Petra Heinz, die Vorsitzende der Blindenhilfe.
Einen besonders herzlichen Empfang gab es in der Blindenschule in Arequipa, einer alten Kolonialstadt. Stolz führten die Gastgeber die Therapiewanne für schwerstbehinderte Kinder vor, die mit Neuwieder Spendenmittel finanziert wurde. Interessant war für die deutsche Delegation, die die Reisekosten im übrigen privat bezahlte, der Besuch eines Internet-Shops, in dem es zwölf Arbeitsplätze gibt, die speziell für Blinde hergerichtet sind. Ein Domputerprogramm sorgt für die akustische Wiedergabe des Bildschirminhaltes und ermöglicht Blinden so das Surfen im Internet. Der blinde Computerexperte Luis Enrique danke dem Verein für die Anschubfinanzierung zu diesem Projekt.
Ein großes Hallo gab es in der Blindenschule Cusco, als die Neuwieder dort eintrafen. Die einstige Metropole des Inka-Imperiums liegt auf rund 3500 Metern Höhe im Bergland der Anden. Die Blindenschule wurde vor sieben Jahren auf Initiative und mit großer finanzieller Unterstützung des Vereins erbaut. "Wir konnten uns erneut von der guten Arbeit vor Ort überzeugen", berichtet Vorstandsmitglied Karl-Ludwig Küster. Inzwischen wurden auch viele mehrfachbehinderte Kinder in die Schule aufgenommen. "Neunzig Prozent dieser Kinder sind völlig unterernährt, wenn sie zu uns kommen", sagte Madre Carmen Rosa, die Leiterin der Einrichtung.
Eine wirksame Form der Hilfe für erwachsene Blinde hat Padre Rufino, Pfarrer im Stadtteil San Heronimo, entwickelt. Im Stadtgebiet werden nach und nach Kioske aufgestellt, in denen Blinde Waren aller Art verkaufen. Die Einnahmen reichen knapp, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Eine erhebliche Verbesserung, bedenkt man, dass blinde Menschen im Peru meist auf der Straße leben und sich mit Almosen über Wasser halten. Auch für das Kiosk-Projekt gab der Neuwieder Verein Geld. Im Stadtteil St. Sebastian besuchte die Reisegruppe ein Straßenkinderprojekt, das von Padre Rufino ins Leben gerufen wurde. Hier erhalten 320 Kinder täglich ein warmes Mittagessen. Das Gebäude, in dem gekocht und gegessen wird, wurde von der Koblenzer Firma "Compugroup" finanziert. Besonders wichtig ist dem Verein zur Betreuung blinder und sehbehinderter Kinder die Vorbeugung. Daher finanzierte er Teile der Einrichtung des "Zentrums zur Verhütung von Blindheit", das von der Augenärztin Dr. Mendoza geleitet wird. Diese Augenstation benötigt übrigens dringend nicht mehr benötigte Kinderbrillen; sie können im Pfarramt Irlich und in der Feldkirchener Blindenschule abgegeben werden.
Ein besonderer Höhepunkt der Reise war ein Gottesdienst in der voll besetzten Kathedrale von Cusco, den der Neuwieder Dechant Stephan Augst gemeinsam mit Erzbischof Alcides Mendoza Castro zelebrierte. Nach der Messe war Dechant Augst von vielen Indios umringt, die vom "Padre" aus Deutschland gesegnet werden wollten.

Marcelo Peerenboom

 
 

 

(08. November 2002)

 

Alfred Marmann, Geschäftsführer der neuen Kettiger Wohn- und Förderstätte, und Bewohnerin Yvonne Haas moderierten ihre Einweihungsfeier gemeinsam.

 

Ein persönliches Stück Himmel

Wohn- und Förderstätte eingeweiht - Zuhause für
98 behinderte Menschen

Kettig

Ihr Ziel, schwerstbehinderten Menschen ein glückliches Zuhause zu bieten, ihnen Lebensfreude und Sinnerfüllung zu ermöglichen, hatten Petra Heinz vom Verein zur Betreuung blinder und sehbehinderter Kinder Neuwied, Jürgen Wolffram vom Verein zur Förderung und Betreuung spastisch gelähmter und körperbehinderter Kinder Neuwied/Andernach und Wolfgang Krause vom Heilpädagogisch-Therapeutischen Zentrum Neuwied von Anfang an fest vor Augen.
Gestern nun wurde die neue Förder- und Wohnstätte für mehrfach behinderte Menschen - das 13 Millionen Euro teure, farbenfrohe Projekt hätte ohne seine Trägervereine nie wahr werden können - in der Kettiger Anne-Frank-Straße eingeweiht. Durch die Feier führte Geschäftsführer Alfred Marmann gemeinsam mit Yvonne Haas. Die 23-Jährige lebt und arbeitet hier seit vergangenem Mai. Die "House-Band" der Förderstätte setzte gleich zu Anfang mit dem Doors-Klassiker "Knocking On Heaven`s Door" ein passendes Zeichen. Denn als ihr persönliches Stück Himmel empfinden die neuen Kettiger ihre Wohn- und Arbeitsstätte.
"Selten wurde ein Ziel der Kommunalpolitik", würdigte Landrat Albert Berg-Winters den Vorzeigebau, "so fantastisch realisiert wie hier und das letztlich aus privaten Mitteln."
Die Einweihung - Pater Lothar Zimmermanns und Pfarrer Manfried Rademacher übernahmen die Segnungszeremonie - nahm der politischen Prominenz manchen Stein vom Herzen. Kein Wunder, dass Verbandsbürgermeister Walter Weinbach, Ortsbürgermeister Norbert Hansen und Kreisabgeordneter Johann Werner Kessler von der Erfüllung eines zwölft Jahre alten Traums sprachen.
Die Schirmherrschaft des Projektes übernahm übrigens Malu Dreyer. Landesministerin für Arbeit, Soziales und Gesundheit. Sie bezeichnete die Förderstätte als herausragendes Beispiel für den Abbau von Barrieren für behinderte Menschen - und teilte am Einweihungsnachmittag das Gefühl der Geborgenheit, das das Ambiente so gelungen ausstrahlt.

Marcus Dietz

 
 

 

(19. Juni 2002)

 

Auch mit Handicap glücklich leben

Alfred Marmann neuer Geschäftsführer der Kettiger Förder- und Wohnstätte für Schwerstbehinderte - Offizielle Amtsübergabe


Mit drei in warme Farbtöne getauchten und dezent futuristisch gestalteten Wohn-Zweispännern sowie einer komplett verglasten Werkstatt präsentiert sich die neue Förder- und Wohnstätte für schwerstbehinderte Menschen in Kettig. Seit April wirkt Alfred Marmann als neuer Geschäftsführer ihrer gemeinnützigen Trägergesellschaft. Jetzt trat er offiziell sein Amt an.

 
Kettig
 

Alfred Marmann, 48, gelernter Diplom-Sozialpädagoge, ist seit 1977 in sozialen Einrichtungen mit mittlerweile acht Jahre in der Erwachsenenhilfe tätig. Er tritt die Nachfolge von Wilbert Peifer an, der gestern offiziell das Amt an ihn übergab.
Peifer leitete die Geschicke der gemeinnützigen GmbH - bestehend aus dem Heilpädagogisch-Therapeutischen Zentrum Neuwied, dem Verein zur Betreuung blinder und sehbehinderter Kinder Neuwied und dem Verein zur Förderung spastisch gelähmter Kinder Neuwied/Andernach - seit dem Baubeginn vor fast zehn Jahren. In der Regionalisierung sieht Alfred Marmann viel versprechendes Zukunftspotenzial: "Die Familien schwerstbehinderter Menschen werden durch weit vom Wohnort entfernte Dauerpflegeeinrichtungen förmlich auseinander gerissen. Die Kettiger Wohn- und Förderstätte hat alles, was heutige Betreuungseinrichtungen zu bieten haben - und das direkt vor Ort."
Zurzeit sind 37 der insgesamt 98 Plätze belegt. Bereits im Juli soll das zweite Haus, Ende August dann das dritte bezogen werden. "Beim Entwurf der Anlage kam es der Trägergesellschaft auf Transparenz an. Ein Zaun oder ähnlich einschneidende Abgrenzungen hätten den parkähnlichen Wohncharakter zunichte gemacht", ergänzt Alfred Marmann. Besondere Bedeutung misst Petra Heinz, erste Vorsitzende des Vereins zur Betreuung blinder und sehbehinderter Kinder, dem "sinnlichen Erleben" des Ambientes zu; so verschafft ein speziell belegter Barfuß-Rundweg mit stimmig arrangierter Bepflanzung rund um Haus Nummer zwei fühlbare Entspannung.
Im November - bis dahin wird sich der ganze Ein- und Umzugsstress wahrscheinlich weitgehend gelegt haben - soll die Förder- und Wohnstätte an einem Tag der offenen Tür der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden und, wenn ihre zukunftsweisende Architektur nicht zu viel verspricht, neue Pflegemaßstäbe in der Region setzen.
            

Marcus Dietz

 

 

 

(30. April 2002)

 

Spende: Pimpfe-Markt kam dem Verein zur Betreuung blinder und sehbehinderter Kinder Neuwied e.V. zugute

 

 

Zwei Mal im Jahr steigt der traditionelle Pimpfe-Markt am Peter-Altmeier-Gymnasium in Montabaur. Der Erlös von 3100 Euro wurde dem Verein zur Betreuung blinder und sehbehinderter Kinder Neuwied e.V. übergeben. Besonders hervorgehoben wurden dabei die Aktivitäten in Cusco/Peru.

Wir danken herzlich dafür, dass unser Verein mit dieser Spende bedacht wurde! Besonderer Dank geht in diesem Zusammenhang an die Initiatioren Ute Klapthor, Rita Stahl, Jutta Hohmann, Hans Althöhn und Jutta Dickopf.

 
 

 

(15. März 2002)

 

Franz Saxler zum Ehrenvorsitzenden gewählt

Unter großem Beifall wurde Franz Saxler in der Jahreshaupt-versammlung zum Ehrenvorsitzenden des Vereins zur Betreuung blinder und sehbehinderter Kinder ernannt. Die neu gewählte Vorsitzende, Petra Heinz, konnte in ihrer Laudatio auf beachtliche Erfolge verweisen, die der Verein während des 18-jährigen Vorsitzes von Franz Saxler erzielen konnte.

Neuwied

Nach 18-jähriger Tätigkeit als 1. Vorsitzender des Vereins legte Franz Saxler sein Amt nieder und ließ sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für die Neuwahl aufstellen. Die neu gewählte 1. Vorsitzende Petra Heinz weiß, dass ihr mit diesem Amt viel Verantwortung übertragen wurde und ihr war es genauso wie allen anderen Vereinsmitgliedern ein Anliegen, Franz Saxler einen besonderen Platz im Vorstand zukommen zu lassen. Als Zeichen des Dankes und des endlosen Engagement für Projekte in der Umgebung sowie in anderen Ländern wurde Franz Saxler mit kräftigem Applaus zum Ehrenvorsitzenden gewählt. In der Ansprache wurde deutlich, dass Dank seiner Initiativen und seines Engagements der Verein zur Betreuung blinder und sehbehinderter Kinder sich zu dem entwickeln konnte, was er heute ist und wie wichtig es ist, in Zukunft auf die Erfahrung von Franz Saxler zurückgreifen zu können. Jetzt sind es drei Projekte, die in konzentriertem Masse vom Verein unterstützt werden. Zum einen ist dies die Landesschule für Blinde und Sehbehinderte in Neuwied. Hier unterstützt der Verein die blinden und sehbehinderten Schüler/-innen durch die Anschaffung von optischen Hilfsmitteln, durch die Finanzierung von Punktschrift-maschinen und durch die finanzielle Förderung von Freizeitangeboten, wie Skifreizeiten und Schullandheimaufenthalten. Ebenso hat der Verein mehrere Fahrzeuge angeschafft, die es den blinden und sehbehinderten Kindern ermöglichen sollen, ihre Umwelterfahrungen zu erweitern. Sehr große Aufmerksamkeit gilt derzeit dem Bau einer Förder- und Wohnstätte für Schwerstbehinderte in Kettig. Der Verein ist hier ein Gesellschafter von insgesamt drei Gesellschaftern. Zusammen wurde eine in Rheinland-Pfalz einmalige Kombinationseinrichtung geschaffen, die u. a. speziell für blinde und sehbehinderte mehrfachbehinderte Menschen ausgestattet sein wird. Der Bezug wird im Mai 2002 erfolgen. Das dritte Projekt ist Franz Saxler besonders ans Herz gewachsen und eine wirkliche Lebensaufgabe für ihn geworden. Von je her hat der Verein blinde Kinder in anderen Ländern unterstützt. Monika Saxler, die Tochter von Franz Saxler, hat im Rahmen eines ehrenamtlichen Engagements die Blindenschulen in Peru besucht. Nach ihrer Rückkehr berichtete sie entsetzt, welche Missstände in diesem Land herrschen und wie ungenügend dort das Bemühen um die blinden Kinder ist. Dies ist nun 13 Jahre her. Zwischenzeitlich war Franz Saxler selbst neun Mal in Peru, um Kontakt zu den Menschen und deren Leben zu bekommen. Franz Saxler hat mit fast 70 Jahren spanisch gelernt, um mit den betroffenen Menschen vor Ort auch sprechen zu können. Dadurch sind viele Kontakte und Freundschaften entstanden. Gemeinsam hat man überlegt, wie man den Menschen in Peru helfen kann, damit sie sich selbst helfen können. Inzwischen gibt es dort eine Modellschule für blinde Kinder mit angegliedertem Internat für ca. 100 Schüler. Vor drei Jahren konnte eine Werkstatt eingeweiht werden, in der erwachsene Blinde Fähigkeiten erwerben können, um später sich selbst und auch andere zu versorgen. Ebenso wurde eine Augenklinik ausgestattet, in der eine Augenärztin vor allem Graue-Star-Operationen durchführt.

Der Verein zur Betreuung blinder und sehbehinderter Kinder Neuwied und Umgebung e.V. ist ein beachtlich aktiver und engagierter Verein und ein großer Dank geht an alle, die im vergangenen Vereinsjahr die Aktivitäten mit Geldspenden oder durch persönliches Engagement unterstützt haben.

Weitere Informationen unter www.verein-blinder-kinder.de oder 02631/970-116.

 

 

Von links: Karl-Ludwig Küster (1. Kassierer), Irene Klank-Wirbelauer
(2. Vorsitzende), Petra Heinz (1. Vorsitzende), Franz Saxler (Ehrenvorsitzender), Christine Geistmann (1. Schriftführerin)