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Im Folgenden geben
wir Auszüge aus der Traueransprache wieder, die am 15. Januar 2004
während einer bewegenden schulinternen Gedenkfeier für den
Verstorbenen gemeinsam von Karl Ludwig Küster (Stellvertretender
Schulleiter) und Petra Heinz (Internatsleiterin) gehalten wurde.
„Liebe Anwesende
Noch können wir es
alle gar nicht fassen und begreifen, dass Fred Körper gestorben ist.
Still war es in unserer Einrichtung, als wir von seinem Tod hörten.
Die Nachricht war für uns alle ein Schock. Fassungslosigkeit,
Bestürzung, Entsetzen, Hilflosigkeit, Trauer – diese Begriffe können
nur annähernd beschreiben, wie uns allen zumute war.
Er soll einfach
nicht mehr da sein?
Wir trauern über den Tod von Fred Körper
und nehmen dabei zutiefst Anteil an dem schmerzlichen Verlust, der vor
allem die Familie betroffen hat.
Was Fred Körper für
ein Mensch war, weiß jeder von uns nur zu einem Teil. Wir kannten
ihn als Kollegen und Chef, der vor 10 Jahren und 2 Monaten genau an
dieser Stelle stand und mit Freude und unbändigem Tatendrang in die
Zukunft blickte.
Fred Körper wurde am
25.1.1947 in Mehlbach im Kreis Kaiserslautern geboren. Nach Gymnasium
und Wehrdienst studierte er für das Lehramt an Volksschulen und trat
seine erste Stelle in der Sonderschule für Lernbehinderte in
Bendorf-Mülhofen an. Nach dem Zusatzstudium der Sonderpädagogik wurde
er an die Schule für Lernbehinderte in Rheinbrohl versetzt, wo er
schnell entsprechend seinem zielstrebigen Naturell zum Konrektor und
1982 zum Rektor ernannt wurde. Schon in dieser Zeit fiel Fred Körper
bei vielen Veranstaltungen als stets kritischer und engagierter
Diskussionsteilnehmer auf, der seinen Standpunkt mit äußerster Energie
vertreten konnte.
Am 3.11.1993 durften
wir Fred Körper als neuen Leiter unserer Einrichtung begrüßen. Mit
fast 50 Jahren schrieb er sich an der Uni Heidelberg als Student ein
und legte das Examen der Blindenpädagogik mit Auszeichnung ab.
In unserer
Einrichtung steckte er wesentliche Ziele, deren Umsetzung er mit
grenzenlosem Einsatz vorangetrieben hat.
Fred Körper hat
vieles in unserem Hause bewegen können, auch wenn einige seiner hohen
Zielsetzungen im Laufe der Zeit der Realität Tribut zollen mussten.
Bleibende Spuren hat
er hinterlassen, von denen wir einige beispielhaft aufführen möchten:
Hervorzuheben ist
sein Einsatz für den erfolgreichen Ausbau der Frühförderung blinder
und sehbehinderter Kinder. Es gelang ihm, für die Abteilung eine
Leitungsstelle zu etablieren und die Anzahl der Mitarbeiter auf sieben
zu erhöhen. Der Schriftverkehr hierzu füllt einige Aktenordner.
Durch seine
entschlossene Vorgehensweise wurde die integrative Förderung blinder
und sehbehinderter Kinder an Regelschulen und anderen Sonderschulen
wesentlich weiter entwickelt. Mittlerweile umfasst die Abteilung neun
Stellen.
Ziel seines
Engagements war immer die bestmögliche Förderung aller blinden und
sehbehinderten Kinder. So konnte er verhindern, dass die Reduzierung
der Schülerwochenstunden bei der Neuordnung des
Schulstellenbedarfsmodells bei Weitem nicht so drastisch ausfiel, wie
ursprünglich vorgesehen. Dadurch konnte die Qualität der Förderung
erhalten werden.
Viele Schuljahre
gelang es ihm durch Verhandlungen und Interventionen den
Stundenausfall in unserer Schule weit unter den Durchschnitt anderer
Sonderschulen zu drücken.
Viele Jahre (schon
zu Herrn Rektor Saxlers Zeiten) hatten wir vergebens darum gekämpft,
den Bereich der begleitenden Dienste zu erweitern. Mit Fred Körper ist
es uns gelungen, trotz schwierigster Haushaltslage des Landes einen
Rehabilitationslehrer, eine Psychologin und eine Orthoptistin im
Internat einstellen zu können. Hier hat er eine große fachliche
Bereicherung der Einrichtung erreicht.
Besonders schwer
gestaltete sich der Kampf mit der vorgesetzten Dienstbehörde um den
Erhalt der Küche. Viele – auch teilweise unerfreuliche – Gespräche
führten letztendlich zum gewünschten Erfolg.
Eines war ihm vom
Beginn seiner Tätigkeit an besonders wichtig: Die gleichberechtigte
Würdigung der Arbeit aller Abteilungen in unserem Hause.
Das
Engagement für das Erreichen dieser und vieler weiterer Ziele kostete
ihn viel Kraft und Energie. Sein unermüdlicher Einsatz, der oft für
viele Mitarbeiter nicht sichtbar wurde, ist von uns nicht hoch genug
zu bewerten und aus diesem Grunde haben wir ihm Anerkennung zu zollen
und Dank zu sagen.
Wir haben von ihm
nie gehört, das geht nicht, das ist unmöglich, das kann ich nicht.
Unsere Meinung: „Das schaffst Du nie!“ war für ihn höchster Ansporn
und manche Flasche Sekt hat er bei einer diesbezüglichen Wette
gewonnen, manchmal auch verloren.
Fred Körper war ein
streitbarer Mensch. Er scheute keine Konflikte und Streitigkeiten,
wenn es darum ging, seine Vorstellungen umzusetzen.
Erich Kästner, Fred Körpers Lieblingsschriftsteller, sagt: ‚Auch aus
Steinen, die Dir in den Weg gelegt werden, kannst Du etwas Schönes
bauen.‘ So handelte Fred, so haben wir ihn gekannt.
Mehrere Tadel
handelte er sich von den dienstvorgesetzten Behörden wegen seiner oft
unkonventionellen Vorgehensweise ein. In seinen Bemühungen wurde er
außen aber auch hier im Hause manchmal nicht richtig verstanden. Es
ist oft leichter den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, keine
Reibungsflächen zu bieten, Kritik nicht zu äußern oder sich hinter
höflichen Floskeln zu verstecken. Das war nicht Freds Sache. Er musste
manches Mal harte Entscheidungen treffen, aber alle seine
Entscheidungen waren von dem Gedanken getragen: Das Wohl und die
Förderung der Kinder sowie die Schaffung der notwendigen
Rahmenbedingungen haben Vorrang. Er stellte hohe Anforderungen und
demjenigen, der seinen Anforderungen nicht genügte, konnte er es klar
und deutlich sagen. Die höchsten Anforderungen aber stellte er an sich
selbst.
Ein großes Anliegen
war Fred Körper die Reputation der Einrichtung in der Öffentlichkeit.
Hervorzuheben ist sein unermüdliches Engagement bei der Planung und
Durchführung der 100-Jahr-Feier unserer Einrichtung. Er ruhte nicht
eher bis der Ministerpräsident selbst die Schirmherrschaft übernahm.
Er versäumte nie eine Gelegenheit, die Schule mit ihren Anliegen in
Mainz in Erinnerung zu rufen.
Der persönliche
Höhepunkt des Jahres 2003 war im November die Geburt seines Enkels
Ben. Er war ein stolzer und glücklicher Opa. Er freute sich königlich,
wenn wir ihn mit Opa ansprachen. Jedem im Hause, zeigte er mit Stolz
das Bild seines Enkels Ben. Er war überzeugt davon, dass Ben ganz der
Opa sei.
Fred Körper war ein
absolut lebenslustiger Mensch. Er liebte das Leben. Er lachte gerne.
Wir werden sein schallendes Lachen im Flur vermissen, wenn er einen
neuen Witz hörte. Am meisten konnte er über Witze lachen, die er
selbst erzählte. Aber auch über sich selbst konnte er oft herzhaft
lachen.
Mit Begeisterung war
er bei der Sache, für den Förderverein Kulturveranstaltungen zu
organisieren und Spenden zu sammeln. Wer kennt ihn nicht, Freds
Begleiter und fleißigen Spendensammler bei den Veranstaltungen „Fred
Ferkel, das rote Schwein!“
Von Beginn seiner
Tätigkeit an hat er sich für die Ziele des Fördervereins eingesetzt.
In einer kritischen Phase bei der Finanzierung des Projektes Förder-
und Wohnstätte in Kettig für unsere schwerstmehrfachbehinderten
ehemaligen Schüler setzte er sich mit viel persönlichem Einsatz für
den Fortgang des Projektes ein. Wir beide danken ihm persönlich sehr
für seine Hilfen und seine aufmunternden Hinweise, wenn wir nicht mehr
weiter wussten. Von großer Bedeutung war es ihm, unseren
schwerstbehinderten Schülern mit dem Bau der Förder- und Wohnstätte in
Kettig eine Zukunftsperspektive zu schaffen.
Liebe Schülerinnen und Schüler,
ihr habt auch den
Lehrer Fred Körper verloren. Viele von Euch hatten im Laufe der
letzten Jahre bei ihm Unterricht in den verschiedensten Fächern. Er
war gerne Euer Lehrer. Entsprechend seiner fröhlichen Art gab es
keine Unterrichtsstunde, in der nicht gelacht wurde. Er war gerne mit
Euch zusammen, besonders bei den Festen hier in der Aula, den
Weihnachtsfeiern in den Internatsgruppen, den schönen
Karnevalssitzungen, in denen ihr Euch manchmal lustige Wetten mit ihm
ausgedacht habt. Stolz war er auf Euch, wenn Euch wieder eine tolle
Feier mit schönen Beiträgen gelungen war.
Aber es gab auch den
stillen, nachdenklichen Fred Körper. Oft war er von der persönlichen
Situation eines neu aufzunehmenden Kindes und der Familie sehr
betroffen. Aus dieser Betroffenheit heraus schöpfte er neue Energie
und Tatkraft.
Sein Leitgedanke im
Umgang mit unseren Schülern war: Jeder ist wertvoll durch das, was er
ist, und nicht durch das, was er kann.
Im
Arbeitsleben, so sagt man häufig, sei jeder ersetzbar. Das mag stimmen
oder nicht. Fred Körper ist in seiner Art, in seiner Einzigartigkeit
für uns nicht ersetzbar. Seine Aufgaben müssen übernommen werden,
seine Funktion ist austauschbar. Der Mensch, Fred Körper, nicht.
Liebe Trauergäste,
so war er und so
bleibt er uns in Erinnerung. Seine Ideen, sein Werk geben uns Kraft
und werden uns Leitbild sein. Wir werden seinen Geist in dieser
Einrichtung würdig erhalten.
Wir werden uns stets in Dankbarkeit und
Freundschaft an Fred Körper erinnern. Wir sagen ihm Dank für seinen
unermüdlichen Einsatz. Der Familie vor allem, aber auch uns fehlt er
von nun an.
Wir erlauben uns zu
sagen: Wir beide haben nicht nur einen Chef, sondern einen Freund
verloren.“
Petra
Heinz Karl Ludwig Küster
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